#1 Factor 5 über Jugendschutz: von Admin 21.08.2007 09:46

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Factor 5 über Jugendschutz: 'Wir Spielentwickler werden verfolgt wie die Kommunisten in den 50ern'


Die Computer- und Videospielbranche sieht sich von den Jugendschützern ungerecht behandelt. Das meldet. Denn während die Filmindustrie in Filmen wie 'Bonnie & Clyde', 'Clockwork Orange' oder 'Natural Born Killers' extreme Gewaltszenen darstellen dürfe und dabei nicht auf dem Index landen, müssten Spiele ihre Inhalte bis zur Unkenntlichkeit abändern, damit sie für Jugendliche freigegeben zu werden.

Julian Eggebrecht von Factor 5 zeigte auf der Eröffnungsveranstaltung zur Leipziger Games Developer Conference Beispiele aus Lair (PS3), das in den USA mehrfach angepasst werden musste; nur so konnte man das vertraglich festgelegte 'Teen Rating' der ESRB in den USA.

In Lair steuert man einen feuerspeienden Drachen, der Soldaten auffrisst. Laut Eggebrecht mussten alle umherfliegenden Körperteile entfernt oder bis zur Unkenntlichkeit abgedunkelt werden. Statt der Köpfe werden im fertigen Spiel jetzt Helme abgeschlagen.

Die ESRB hatte aber kein Problem mit Feuerexplosionen, bei denen tausende Soldaten verbrennen. Eggebrecht nannte die Vorgaben der ESRB absurd.

Noch strenger würden Sexszenen in den USA behandelt. Während Filme wie 'Der letzte Tango in Paris', 'Basic Instinct', 'Crash' oder 'Eyes Wide Shut' sehr explizite Nacktszenen enthielten, würden in Spielen selbst Andeutungen mit einem 'M-Rating' versehen - das schränkt die Verbreitung stark ein.

So hatte Factor 5 in Lair ursprünglich mal ein so genanntes 'Easter Egg' eingebaut, bei dem der Cheat 'Hot Coffee' in Anspielung auf den Eklat um Grand Theft Auto San Andreas einen kurzen Film mit einer Kaffeemaschine abspielt. Dieser musste allerdings wieder entfernt werden, weil er die Autorität der ESRB untergraben hätte.

'Das riecht nach McCarthy. Wir Spielentwickler werden verfolgt wie die Kommunisten in den 50ern', erklärte Eggebrecht, weil noch nicht einmal mehr eine satirische Kritik an dem Rating-System erlaubt sei. 'Sex gehört zu den Grundbedürfnissen wie Essen und Schlafen.'

Wenn Sex in Spielen nicht gezeigt werden dürfe, dann würden Spiele es nach Eggebrechts Ansicht auch nie zu einer eigenen Kunstform schaffen, da sie dieses wichtige menschliche Grundbedürfnis nicht behandeln könnten.

Eggebrecht forderte ein differenzierteres Rating-System, bei dem zwischen dem Teen- und Mature-Rating noch weitere Zwischenstufen eingefügt werden. 'Dies würde unsere Arbeit als Designer sehr vereinfachen.' Letztlich hätten nicht technische Neuerungen der Playstation 3, sondern die Anpassung an die ESRB-Forderungen die meisten Probleme bei der Entwicklung von Lair bereitet.

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